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Entwicklung der Industriebeschäftigung in Berlin: Strukturwandel zeigt sich regional sehr unterschiedlich
18.06.2026 | 3 Links | 5 Bilder
Gütersloh, 18. Juni 2026. Die Industriebeschäftigung in Deutschland verliert im Strukturwandel stetig an Bedeutung: Der Anteil der Industrie an der Gesamtbeschäftigung sank von 22 Prozent im Jahr 2014 auf zuletzt rund 19 Prozent. Zwar wuchs die Zahl der Beschäftigten in der Industrie von 2014 bis 2019 deutschlandweit noch an, seitdem sinkt sie jedoch. Zugleich verliert die Industrie langfristig an Gewicht, weil andere Wirtschaftsbereiche stärker gewachsen sind. Doch der Wandel verläuft regional sehr unterschiedlich. Während manche Regionen ihre Industriebeschäftigung stabil halten oder sogar ausbauen konnten, verlieren andere deutlich an industrieller Beschäftigung.
Entwicklung Industriebeschäftigung in Berlin
Auch in Berlin hat sich die Bedeutung der Industrie am Arbeitsmarkt verändert. Im Jahr 2014 lag der Anteil der Beschäftigten in der Industrie an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Region bei 8,3 Prozent. Bis 2024 sank dieser Anteil auf 6,4 Prozent. Damit liegt der Industrieanteil an der Gesamtbeschäftigung in Berlin im Jahr 2024 unter dem Deutschlandwert von 19,3 Prozent.
Die Beschäftigungsentwicklung verlief dabei in zwei Phasen: Zwischen 2014 und 2019 nahm die Zahl der Industriebeschäftigten in Berlin um 6,4 Prozent zu. In dieser Zeit wuchs die Industriebeschäftigung bundesweit noch um 5,7 Prozent. Zwischen 2019 und 2024 kehrte sich der Trend vielerorts um: In Berlin sank die Zahl der Industriebeschäftigten um 3,3 Prozent. Deutschlandweit ging sie im gleichen Zeitraum um 3,7 Prozent zurück. Die Entwicklung in Berlin folgt damit weitgehend dem bundesweiten Muster seit 2019.
Große Unterschiede zwischen den Regionen
Der Blick auf alle 400 Kreise und kreisfreien Städte zeigt große Unterschiede – sowohl bei der Bedeutung der Industrie für den regionalen Arbeitsmarkt als auch bei ihrer Entwicklung im Zeitverlauf. Die höchsten Beschäftigungsanteile in der Industrie finden sich 2024 weiterhin in bekannten Industriestandorten: in Tuttlingen mit 56 Prozent, in Dingolfing-Landau mit 54 Prozent und in Salzgitter mit 50 Prozent. Am geringsten ist die Bedeutung der Industrie am jeweiligen regionalen Arbeitsmarkt in Potsdam (Stadt) mit 2 Prozent, Frankfurt (Oder) mit 3 Prozent und Cottbus mit 4 Prozent.
Der Industrieanteil allein sagt jedoch noch nicht aus, wie sich eine Region im Strukturwandel entwickelt. So gehört Cottbus zwar weiterhin zu den Regionen mit sehr niedrigem Industrieanteil, verzeichnete zwischen 2019 und 2024 mit 22 Prozent aber eines der stärksten Wachstums der Industriebeschäftigung. Auch Oder-Spree entwickelte sich gegen den Bundestrend: Dort hat sich die Zahl der Industriebeschäftigten im Fünfjahreszeitraum mehr als verdoppelt. Gleichzeitig zeigen andere Regionen deutliche Rückgänge. In Groß-Gerau, Essen und Coburg sank die Industriebeschäftigung zwischen 2019 und 2024 zwischen 24 und 28 Prozent.
Diese Unterschiede zeigen: Der Strukturwandel folgt keinem einheitlichen regionalen Muster. Industriestarke Regionen konnten ihre Beschäftigung bis 2019 häufig stärker ausbauen und verzeichneten nach 2019 tendenziell geringere Verluste. Gleichzeitig können lokale Standortfaktoren, Investitionen, der Branchenmix und einzelne Unternehmensentwicklungen den allgemeinen Trend vor Ort deutlich verstärken oder abschwächen. Dennoch geraten auch traditionelle Industriestandorte zunehmend unter Druck. Der außenhandelsgetriebene Wachstumsmotor ist schwächer geworden, zugleich schlagen Automatisierungs- und Rationalisierungseffekte stärker durch.
„Regionale Herausforderungen brauchen regionale Antworten. Entscheidend ist, dass Unternehmen, Arbeitsverwaltung, Wirtschaftsförderung und Sozialpartner vor Ort gemeinsam handeln: Sie müssen früh erkennen, wo Beschäftigung unter Druck gerät, welche neuen Tätigkeiten entstehen und welche Qualifikationen gebraucht werden. Arbeitsmarktpolitik sollte Beschäftigte im Wandel unterstützen, bevor Arbeitslosigkeit entsteht“, sagt Arbeitsmarktexpertin Luisa Kunze.
Zusatzinformationen: Die Studie „Entwicklung der Industriebeschäftigung“ ist Teil der Studienreihe „Industriedynamiken in Deutschland“. Als Industrie gilt das Verarbeitende Gewerbe gemäß Abschnitt C der Klassifikation der Wirtschaftszweige. Untersucht werden Beschäftigung, Einstellungen und Beendigungen, Arbeitsnachfrage, Folgen für Beschäftigte sowie industrietypische Berufe – jeweils im Vergleich zur übrigen Wirtschaft und auf Kreisebene. Grundlage sind Sonderauswertungen der Bundesagentur für Arbeit, Verdienststruktur- und Verdiensterhebungen sowie Online-Stellenanzeigen aus dem Jobmonitor der Bertelsmann Stiftung. Für Wolfsburg und Ingolstadt liegen aus Datenschutzgründen keine kreisspezifischen Angaben auf Basis der BA-Sonderauswertungen vor. Der Untersuchungszeitraum umfasst vor allem die Jahre 2014 bis 2024; bei Online-Stellenanzeigen 2019 bis 2024; ergänzend wurden für einzelne Indikatoren Werte und Prognosen für 2025 berücksichtigt. Erstellt wurde die Studie vom Institut der deutschen Wirtschaft im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.